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Kulturerbe: Berlin und die Goldenen Zwanziger Jahre

Goldene Zwanziger Jahre in Berlin
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Ein Verein in Friedenau hat sich die Rettung wertvoller musikhistorischer Zeugnisse auf die Fahne geschrieben, die Berlin und die Ära der Goldenen Zwanziger Jahre betreffen.

Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung zwischen 1924 und 1929 kam es in Berlin zu einer Blütezeit von Wissenschaft und Kunst. Das machte die Stadt attraktiv für Touristen und Zuwanderer. Der Mythos von „Babylon Berlin“ wurde geschaffen. Schon damals gab es Partytourismus und Wohnungsnot. Und auch der aktuelle Ärger um den Flughafenbau ist nicht neu, denn schon beim Flughafen Tempelhof gab es Streit um Standortfragen, Fehlplanungen und Erweiterungen. Der Potsdamer Platz wurde zum verkehrsreichsten Platz Europas. Im Wedding ging der weltgrößte Straßenbahn-Betriebshof in Betrieb. Der Funkturm wurde gebaut, die Grüne Woche eröffnet und Hertha BSC erreichte immerhin viermal das Finale der Deutschen Fußballmeisterschaften.

Nach den schweren Jahren von Krieg, Revolution und Inflation gab es jetzt ein großes Bedürfnis nach Unterhaltung. Dabei spielte Musik eine bedeutende Rolle. Die Berliner Philharmoniker erlangten unter der Leitung von Wilhelm Furtwängler Weltgeltung. Im Theater am Schiffbauerdamm feierte Bertolt Brechts Dreigroschenoper mit der Musik von Kurt Weill Erfolge. Der Swing eroberte die Tanzsäle. Der Rundfunk verbreitete sich und verhalf Musikern wie den Comedian Harmonists zu größerer Popularität. Es entstanden zahlreiche Varieté-Bühnen und Kabaretts, wo Interpreten wie Otto Reutter und Claire Waldoff bejubelt wurden. Viele der Lieder von Willi Kollo, Friedrich Hollaender und Kurt Tucholsky haben bis heute nichts an Witz eingebüßt.

Diesen unglaublichen kulturellen Reichtum gilt es wieder zu entdecken und zu bewahren. Doch obwohl das Interesse an der Geschichte des Berliner Musiklebens unter Berlinern wie Touristen groß ist, lässt der öffentliche Umgang mit dem historischen Material zu wünschen übrig. Ein großer Teil der Sammlungen ging in den beiden Weltkriegen verloren. Das wenige überlieferte Material in städtischem Besitz ist über mehrere Bezirksmuseen und andere Institutionen verteilt.

Dort verstaubt es oft unaufgearbeitet in den Archiven. Aber es kommt noch schlimmer: Jetzt droht auch noch der Verlust einiger letzter Privatsammlungen und Familienarchive, denn viele ihrer meist hoch betagten Besitzer haben entweder keine Erben oder diesen ist die kulturhistorische Bedeutung des Materials nicht bewusst.

Der Verein Initiative Berlin-Musik-Museum e.V. will solche wertvollen historischen Zeugnisse vor dem Verlust retten, aufarbeiten und der Öffentlichkeit zugänglich machen. Er setzt sich dafür ein, dass unsere Stadt ein modern gestaltetes Zentrum für die Dokumentation, Erforschung und Repräsentanz des Berliner Musiklebens erhält. Dafür bedarf es der Unterstützung vieler Bürgerinnen und Bürger.

Gabriele Berlin, Musikwissenschaftlerin und Vorsitzende des Vereins, wünscht sich mehr Förderung und Unterstützung: „Spenden helfen, das kulturelle Erbe unserer Musikgeschichte zu erhalten und in Berlin die Goldenen Zwanziger Jahre lebendig zu halten, und unwiederbringliche Archive zu retten.“

Weitere Informationen:

www.initiative-berlin-musik-museum.de

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