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Armut: Armutsbeauftragter aus Neukölln zu Gast beim sozialpolitischen Flügel der CDU

CDA-Gesprächsrunde: Thomas de Vachroi zu Gast

Am Freitag, dem 10. September war Deutschlands einziger Armutsbeauftragter zu Gast in Spandau. Thomas de Vachroi arbeitet in diesem Amt beim evangelischen Kirchenkreises Neukölln. Eingeladen hatte die Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft (CDA-Spandau), vertreten durch ihre Vorsitzende Gabi Gassner.

Thomas de Vachroi leitet auch seit 2011 das Haus Britz, eine barrierefreie Wohnanlage des Diakoniewerkes Simeon in Neukölln und unterstützt die Tee- und Wärmestube Neukölln für Obdach- und Wohnungslose.

Thomas de Vachroi will der Armut seine Stimme geben, und viel mehr Aufmerksamkeit auf die von Armut und finanzieller Not Betroffenen lenken.

Thomas de Vachroi geht von einem erweiterten Armutsbegriff aus, der mit der Abkürzung: „AMEKS“ die komplexe soziale, finanzielle und emotionale Lage der Betroffenen besser erfasst: „AMEKS“ steht für materialistische, emotionale, krankheitsbedingte und soziale Armut!“

In der Corona-Pandemie haben sich die Armutsphänomene nach seinen Beobachtungen verstärkt.

Das statistische Bundesamt hat auf Grundlage des Wohnungslosenberichterstattungsgesetz (WoBerichtsG) vom 4.3.2020 eine Wohnungslosenberichterstattung eingeführt und erfasst in einer Statistik die untergebrachten wohnungslosen Personen.

Zum Stichtag 31. Januar 2022 weren in Deutschland rund 178 000 Personen wegen Wohnungslosigkeit untergebracht, beispielsweise in vorübergehenden Übernachtungsmöglichkeiten oder in Not- und Gemeinschaftsunterkünften.
Davon waren knapp 74 000 untergebrachte wohnungslose Personen alleinstehend (41 %). Knapp 59 000 Personen (33 %) waren innerhalb eines gemeinsamen Haushalts als Familie beziehungsweise als Paar mit Kindern untergebracht. Rund 23 000 Personen (13 %, einschließlich der Kinder) lebten während der Unterbringung in einem Alleinerziehenden-Haushalt. Rund 4 500 Personen (3 %) waren als Paare ohne Kinder untergebracht. Für die übrigen rund 18 000 Personen (10 %) wurde der Haushaltstyp „sonstiger Mehrpersonenhaushalt“ angegeben oder ihr Haushaltstyp war unbekannt.

Steigende Energiepreise, Wohnungsnot, Existenzangst — unsichtbare Armut

Der Vortrag von Thomas de Vachroi weitete sich teilweise zur Diskussionsrunde. „Was ist arm ?“ und „Wer fühlt sich arm ?“ — diese Fragen wurden mit z.T. drastischen Alltagsbeispielen diskutiert, wobei auch bekannte Vorurteile revidiert wurden.

Obdachlose sind nicht überwiegend Alkoholiker, sondern trinken Bier auch als eine lebensnotwendige preiswerte Kalorienquelle mit isotonischen Nährstoffen.

Armut ist auch unsichtbar geworden, viele Betroffene schämen sich, sogar vor eigenen Kindern und scheuen den hilfebringenden Weg zum Amt. — Vor allem ältere Frauen ziehen sich ganz zurück, schalten den Fernseher und die Heizung ab, und sind nur noch zum Einkaufen des Notwendigsten zu sehen.

Steigende Energiepreise, neue Obdachlosigkeit und Wohnungslosigkeit beschäftgten die Runde.

Der wichtigste Tip: „Auf keinen Fall erhöhte Energiekosten-Abschlagszahlungen als Vorauszahlungen akzeptieren! — Denn auf diese Weise geht der Anspruch auf Hilfe bei der Grundsicherung verloren!“

Thomas de Vachroi drängte auch darauf, die Rechtsansprüche und Menschenrechte der Armen zu achten, denn niemand darf allein gelassen werden, wenn Hilfe benötigt wird.

Gabi Gassner machte ihre Standpunkte deutlich und verwies auf den unermüdlichen Einsatz von Ehrenamtlichen, ohne die viele soziale Angebote heute nicht möglich wären.

Ihre Forderung: „Die Finanzierung von sozialen Einrichtungen muss durch die Politik endlich gesichert werden. Kürzungen in diesen Bereichen darf es nicht geben. — Denn Sozialarbeit ist kein Luxusgut, sondern notwendige Hilfe für Menschen in Not. — Politik und Gesellschaft dürfen diese Menschen nicht vergessen!“

Weitere Informationen:

www.cdaspandau.de