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Cookie-Wahnsinn: wie Leser ausgeforscht und ausgetrickst werden!

Richard Gutjahr: Cookie-Wahnsinn

Am 25. Mai 2018 trat die EU-Datenschutzgrundverordnung (EU-DSGVO) in Kraft. Sie macht das Zeitungslesen komplizierter. Verlage wenden immer höhere Systemkosten auf, um mit „personalisierter Werbung“ und „Programmatic Advertising“ Geld zu verdienen. Die Anzeigen-Netzwerke rüsten seitdem immer weiter auf, und sorgen für ein unüberschaubares Heer von „Tracking-Cookies“, die Nutzer und ihre Lesevorlieben identifizierbar und intepretierbar machen.
Im Frühjar 2019 veröffentlichte die Konferenz der unabhängigen Datenschutzaufsichtsbehörden des Bundes und der Länder eine „Orientierungshilfe der Aufsichtsbehörden für Anbieter von Telemedien“, die Unternehmen beim Thema DSGVO unterstützen sollte:

„Art. 4 Nr. 11 und Art. 7 DSGVO fordern eine selbstbestimmte und informierte Einwilligung der betroffenen Personen in die jeweilige Datenverarbeitung. Dies setzt voraus, dass jegliche Datenverarbeitungen transparent und nachvollziehbar sein müssen. Insbesondere wenn bei der betroffenen Person erhobene Daten von dem jeweiligen Diensteanbieter (inkl. eingebundener Dienste) Website-übergreifend zusammengeführt und ausgewertet werden, ist zu berücksichtigen, dass die betroffenen Personen für eine wirksame Einwilligung vorab über jegliche Form der durchgeführten Datenverarbeitung sowie sämtliche Empfänger ausführlich informiert werden und die Möglichkeit erhalten müssen, in die einzelnen Formen der Datenverarbeitung spezifisch einzuwilligen.“

Seitdem entstanden eine ganze Reihe von sogenannten „Consent-Tools“, die jeweils die „Einwilligung zur Speicherung und Verwendung“ verwalten.
Denn die Zustimmung („Consent“) des Nutzers muss in einer Datenbank gespeichert werden, damit der Internetseiten-Betreiber bei einer Datenauskunft auskunftfähig ist:

  • wie kann ein Nutzer eine einmal erteilte Einwilligung jederzeit widerrufen?
  • wie kann der Nutzer jederzeit den Status seines „Consents“prüfen und ändern? 
  • wie detailliert sind die Informationen zur Datenverarbeitung?
  • wird neben dem Namen auch der Zweck des Cookies beschrieben?
  • Wie lang ist die Cookie-Laufzeit?

Seitdem haben sich die „Consent-Banner“ auf die Startseiten fast aller Zeitungen ausgebreitet. Die Tools kosten zudem Zeit und Geld, und Leseraufmerksamkeit. Kein Wunder, denn die Digitalausgaben von Süddeutsche Zeitung haben zeitweilig über 400 „Tracking-Cookies“, mit denen Leser und ihr Leserverhalten ausgeforscht werden.
Inzwischen versuchen auch über „Cookies kontrollieren und verwalten“ aufzuklären. Doch angesichts der Fülle und Komplexität ist das kaum noch für Laien und normale Zeitungsleser durchschaubar.

DER COOKIE WAHNSINN – ein Journalist warnt vor Cookie-Fallen

Der Kölner Journalist Richard Gutjahr ( www.gutjahr.biz ) warnt nun aktuell vor der ausgeuferten Praxis der Zeitungsverlage:

„Ob SZ, FAZ oder Springer-Presse, wer die Online-Seiten deutscher Verlagsangebote aufruft, stößt auf nervige Cookie-Kästen. Was nach Transparenz und Datenschutz aussieht, ist in Wahrheit das genaue Gegenteil. Die Cookie-Fallen der deutschen Verlage sind kollektiv darauf ausgelegt, das illegale Sammeln von Daten nicht nur auszuweiten sondern sogar heimlich zu legalisieren.“
In seinem aktuellen Blogbeitrag „Wir pfeifen auf Ihre Privatsphäre“ prangert Richard Gutjahr die illegale Praxis in mehreren Videos an.

Darunter ist auch ein Live-Gespräch mit Tiemo Wölken, Mitglied des Europäischen Parlaments. Der sozialdemokratische Europa-Abgeordnete fordert nicht nur neue Regeln für das Internet, sondern auch ein Verbot personalisierter Werbung.


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