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Herbst: … fallende Blätter

Liegengebliebene Anzeigenzeitungen
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Von Michael Springer

Beim Herbstspaziergang am Südpark fiel dieser „Blätterhaufen“ auf. Rund 250 gebündelte Anzeigenblätter lagen achtlos am Rinnstein der Heerstraße.
Die Zeitungsbündel mit dicken Anzeigenbeilagen sind offenbar nicht verteilt worden.

Für Leserinnen und Leser im Verteilgebiet ist das nicht schön, gerade ältere Menschen warten oft auf ihre Zeitungen im Briefkasten. Doch an vielen Briefkästen prangen heute auch Aufkleber „Keine Werbung!“

Das Verteilen der Zeitung wird damit enorm erschwert. Jede nicht eingesteckte Zeitung verlängert die Wegestrecke der Zeitungsverteiler und entsprechend die Arbeitszeit.

Was mag mit dem Zeitungsverteiler geschehen sein? Sind die Zeitungen etwa überzählige Exemplare aus einem Verteilgebiet? Ist eine Panne passiert? Ist der Verteiler durch Corona ausgefallen? Werden etwa gedruckte Anzeigenzeitungen in Berlin nicht überall zuverlässig verteilt? Ist die flächendeckende Versorgung sogar gefährdet? Und: wer entsorgt die überzähligen Anzeigenblätter am Bordstein?

BDVA verweist auf die Systemrelevanz von Anzeigenblättern

Am 16. Oktober fand die erste digitale Mitgliederversammlung des Bundesverbandes Deutscher Anzeigenblätter (BVDA) statt. Präsident Alexander Lenders betonte, wie wichtig die flächendeckende Versorgung der Menschen mit kostenlosen Informationen aus dem Nahbereich sei. Diese sei ernsthaft gefährdet. Er forderte ein klares Bekenntnis für diese Mediengattung.
„Niemand erreicht so viele Menschen, wie wir“ erklärte Präsident Alexander Lenders auf der Mitgliederversammlung des Spitzenverbandes.

In einer Zeit, die geprägt sei von Fake News und einer unerträglichen Debattenkultur informierten die Wochenblätter sachlich und unaufgeregt über das Geschehen vor Ort. „Unsere Mediengattung leistet einen wichtigen Beitrag für eine informierte und aufgeklärte Gesellschaft“, so der BVDA-Präsident. Digitale Blasen würden dagegen langfristig zu einer weiteren Spaltung in der Gesellschaft führen.

Herausforderungen wachsen – Branche braucht Unterstützung

„Ohne ein klares Bekenntnis der Politik werden die Wochenblätter diesen wichtigen Beitrag in Zukunft nicht mehr flächendeckend leisten können“, betonte Lenders. Denn die Herausforderungen für die Branche seien enorm. Neben den steigenden Kosten für die Zustellung werde das Megathema Nachhaltigkeit vereinzelt ausgenutzt, um gezielt Stimmung gegen das Medium Print zu machen. Hier müsse die Politik darauf achten, dass den Verlagen keine weiteren Stolpersteine in den Weg gelegt werden.

Konkret forderte der BVDA-Präsident die staatliche Förderung der Zustellung: „Die Versorgung mit Informationen leistet einen wichtigen Beitrag, dass Regionen in strukturschwachen Gebieten nicht noch weiter austrocknen. Eine reine Digitalförderung würde komplett an diesem Förderzweck vorbeigehen“, erklärte Lenders.

Zeitungsverteiler und -Bringer: Studentenjob und Aushilfsjob

Die Zustellung von ca. 1,5 Millionen Abozeitungen pro Woche wird in Berlin von rund 2.500 Zustellern gesichert, die dafür auch über rund 150.000 Hausschlüssel verfügen, um die Zeitungen im Haus stecken zu können.
Die Verteilung der kostenlosen Anzeigenblätter wird über eine inzwischen optimierte Mikro-Logistik gesichert. Das Tochterunternehmen Berlin Last Mile der Fiege Logistikgruppe setzt dafür in Berlin rund 3.000 Kräfte ein, die wöchentlich rund 2,9 Millionen Anzeigenblätter verteilen.
Dazu gehören auch Auslieferer, die größere Mengen Druckerzeugnisse von Auslieferungslagern und Druckereien mit Lieferfahrzeugen zu den Mikrodepots und Hand-Wagen der Printzusteller bringen. Sie holen auch nicht verteilte Mengen ab, behalten den Überblick und betreuen die Printzusteller.

Der gesetzliche Mindestlohn hat den Job des Zeitungszustellers besser abgesichert, doch die Verteilkosten drücken die Zeitungsverlage oft in die roten Zahlen. Überdies wird der Online-Handel zur Konkurrenz: denn Mindestlohn zahlen auch Amazon & Co, bei festen Arbeitszeiten und wetterfesten Arbeitsplatz in ihren Logistikzentren. Viele Zeitungszusteller haben des deshalb die Branche gewechselt.

In ländlichen Regionen und am Stadtrand wird die Verteilung von Anzeigenblättern wegen zu geringer Einwohnerdichten aber zum Zuschußgeschäft. Die Verleger warnen daher mit Recht vor dem Austrocknen ganzer Regionen und fordern eine direkte Förderung der Zustellung von Anzeigenblättern.

Bundestag beschloß Förderung von Presseverlagen

Noch im Juli hatte der Bundestag eine „Förderung der digitalen Transformation des Verlagswesens zur Förderung des Absatzes und der Verbreitung von Abonnementzeitungen, -zeitschriften und Anzeigenblättern“ in Höhe von 220 Millionen Euro beschlossen. Das konkrete Förderkonzept wird noch vom zuständigen Bundeswirtschaftsministerium erarbeitet.

Inzwischen hat sich die Lage infolge der Pandemie enorm verschärft. BVDA-Präsident Lenders appellierte auch an die Werbekunden:

„Corona wirkt auch in unserer Branche wie ein Brandbeschleuniger und der ohnehin schwierige Werbemarkt ist noch angespannter geworden.“


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